Die zum Tode verurteilte US-Amerikanerin Christa Pike befindet sich nach ihrer gescheiterten Hinrichtung im US-Bundesstaat Tennessee weiter in kritischem Zustand. Wie mehrere US-Medien unter Berufung auf lokale Gerichtsdokumente berichteten, war Pike am Donnerstagabend bewusstlos und an ein Beatmungsgerät angeschlossen.
Laut der New York Times lag Pike nach der gescheiterten Hinrichtung in kritischem Zustand in einem Krankenhaus in Nashville. Das Krankenhauspersonal arbeitete zu dem Zeitpunkt daran, ihr Leben zu retten und das injizierte Mittel Pentobarbital aus ihrem Körper zu entfernen, zitierte die Zeitung die Anwälte der 50-Jährigen.
Pike hatte am Mittwochabend mit einer Giftspritze hingerichtet werden sollen, überlebte allerdings zwei Injektionen und wurde in eine Klinik gebracht. Tennessees Gouverneur Bill Lee ordnete nach dem Vorfall eine unabhängige Untersuchung an. Er setzte zudem die für dieses Jahr geplanten Hinrichtungen in seinem Bundesstaat aus.
Pikes Anwälte gehen von medizinischem Fehler aus
Pikes Anwälte vermuten den Berichten zufolge einen fehlerhaften Venenzugang hinter den Komplikationen. Demnach könnte es sein, dass das eingesetzte Präparat teilweise über die Haut in den Körper der Frau gelangt ist. Anwälte der zum Tode Verurteilten sprechen von Blasen und Verbrennungen rund um die Einstichstellen der Spritzen.
Der Fall hatte schon vor der gescheiterten Hinrichtung Aufsehen erregt, weil der Bundesstaat Tennessee damit zum ersten Mal seit 200 Jahren wieder ein Todesurteil an einer Frau vollstrecken wollte. Ihrer Hinrichtung war ein Rechtsstreit vorausgegangen: Kurz vor dem Vollzug hatte ein Gericht die Todesstrafe gestoppt. Dann gab der Supreme Court einem Eilantrag der Gefängnisbehörde von Tennessee statt und setzte damit den von einer unteren Instanz verhängten Vollstreckungsstopp außer Kraft.
Pike hatte gestanden, im Januar 1995 im Alter von 18 Jahren eine damals 19-jährige Mitschülerin in Knoxville ermordet zu haben. Zusammen mit ihrem damaligen Freund und einer dritten Person hatte sie das Opfer den Ermittlungen zufolge in ein Waldgebiet gelockt, gefoltert und getötet. Pike war für die Tat vor 30 Jahren zum Tode verurteilt worden. Ihr Freund erhielt eine lebenslange Haftstrafe.
Pikes Anwälte hatten bei ihrem Gnadengesuch vor der Hinrichtung argumentiert, die psychischen Probleme der Frau und eine Vorgeschichte schweren sexuellen Missbrauchs seien nicht ausreichend berücksichtigt worden.
»Ich war eine psychisch kranke 18‑Jährige. Es hat Jahre gedauert, bis mir überhaupt die Schwere meiner Tat bewusst wurde«, sagte Pike in einer Stellungnahme, die ihrem Gnadengesuch beigefügt war. »Und noch länger, bis ich begriff, wie viele Leben ich beeinträchtigt habe. Ich habe das Leben von jemandem beendet – das eines Kindes, einer Schwester, einer Freundin. Es widert mich heute an, wenn ich daran denke, dass ich zu einem solchen Verbrechen fähig war.«
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