Es gibt diese grandios komische Szene in Daniel Kehlmanns Roman Die Vermessung der Welt, in der der junge Mathematiker Carl Friedrich Gauß nach Königsberg aufbricht, aber anstelle des hellen und europaweit gefeierten Großaufklärers Immanuel Kant nur ein kleines, in sich zusammengefallenes Männlein antrifft. Die Begegnung ist rein fiktiv, und sie ist nicht deshalb so komisch, weil Kehlmann den bereits geistig umnachteten Kant über Wurstwaren und Sterne sinnieren lässt, sondern weil das Allzuirdische mit dem Allzukosmischen in eine unerwartete Konstellation tritt: Natur und Freiheit, die beiden großen Gebiete, die Kant versöhnen wollte, liegen nur eine Fleischdelikatesse voneinander entfernt. Es geht buchstäblich um die Wurst.