Ich habe ein Leben lang versucht, meine Kinder zur Kunst zu bringen. Letztlich habe ich sie vor allem in Museumsshops gebracht. Das war stets die in Aussicht gestellte Belohnung, wenn sie die Ausstellung, in die ich sie gezwungen habe, überstanden hatten. Deswegen hat Lotta ein Notizbuch mit Frida Kahlo drauf und diverse Kühlschrankmagnete mit Motiven von Monet. Aber ob sie auch wirklich etwas anderes aus den Museumsbesuchen mitgenommen hat, ist ungewiss. Ich kann nur sagen, dass ich wirklich alles gegeben habe.
Einmal hatten wir Karten für eine Ausstellung über Impressionismus und Metropolen. Am selben Tag hatte ich einen Fahrradunfall, bei dem ich mir das Schlüsselbein brach. Ich ließ mich in der Rettungsstelle notdürftig versorgen und ging dann mit Lotta und ihren Schwestern in die Ausstellung. Kunst ist wichtig, sollte die Botschaft sein, so versehrt man auch ist, man sollte sie sich nicht entgehen lassen. Meiner Erinnerung nach war ich von meinem Verhalten damals viel mehr beeindruckt als meine Tochter. Sie war recht unbekümmert ob meines Bruches (schließlich hatte ich offenbar überlebt), und ob sie von den Bildern von Lovis Corinth etwas behalten hat, weiß ich leider auch nicht.
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